Prozess um Messerattacke am Bahnhof Grafing

Polizeiabsperrung am Bahnhof Grafing nach der Messerattacke vom 10.5.2016, Foto: Andreas Gebert/dpa

Urteil gefallen: Angreifer von Grafing muss dauerhaft in Psychiatrie

(17.8.2017) Der Mann, der am 10.5.2016 in Grafing Passanten mit einem Messer attackierte und dabei einen Menschen tötete, muss dauerhaft in die Psychiatrie. So lautet das Urteil des Münchner Landgerichts, das nach mehrtägigem Prozess heute verkündet wurde. Gestern hatte ein medizinischer Sachverständiger ein Gutachten zum geistigen Zustand des Angeklagten vorgelegt.

Täter wird als weiterhin gefährlich eingestuft

Wegen der tödlichen Attacke am Bahnhof Grafing muss der 28 Jahre alte Angreifer dauerhaft in die Psychiatrie. Das Münchner Landgericht II schloss sich am Donnerstag den Forderungen von Staatsanwalt, Verteidiger und Nebenklage an. Die Tat gehe auf die psychische Erkrankung des Beschuldigten zurück, sagte der Richter zur Begründung. «Er war nicht schuldfähig, weil er seine Handlungen nicht steuern konnte.» Von dem 28-Jährigen gehe aufgrund seines Gesundheitszustands weiterhin eine massive Gefahr aus. Alle Prozessbeteiligten nahmen die Entscheidung an.

Der 28-Jährige hatte im Mai 2016 am Bahnhof in Grafing bei München vier Menschen mit einem Messer attackiert; einer von ihnen starb. Der gebürtige Hesse hatte im Prozess die Taten eingeräumt und seine Wahnvorstellungen geschildert: Er habe gedacht, Deutschland werde von Islamisten überrannt. Um zu überleben, so seine Gedankenwelt, müsse er zum Islam konvertieren und dafür ein Menschenopfer bringen.

Am Mittwoch hatte ein Sachverständiger ein Gutachten vorgestellt, nachdem der Beschuldigte nicht schuldfähig ist, weil er unter einer bipolaren Störung mit psychotischen Symptomen leidet. Während des Prozesses hatte sich der Beschuldigte entschuldigt. «Das, was ich getan habe, tut mir unglaublich leid. Ich wünschte ich wäre in der Klinik geblieben, hätte meine Medikamente genommen, dann wäre das alles nicht passiert.» Sein Verteidiger hatte vor dem Urteil über seinen Mandanten gesagt, dieser sei «zutiefst entsetzt über sich selbst.»

Der Prozess in München hatte am 7.8. begonnen, rund 15 Monate nach der Tat.

(dpa/muenchen.de)

Was ist über die Tat bekannt?

Polizei-Absperrung

Die Attacke ereignete sich kurz vor 5 Uhr am Bahnhof Grafing in der Nähe von Ebersberg, rund 30 Kilometer südöstlich von München. Der damals 27-Jährige stach mit einem 10 Zentimeter langen Messer "unvermittelt" auf vier männliche Passanten ein. Nach einer kurzen Verfolgungsjagd nahm die Polizei den Mann in der Nähe des Bahnhofs fest. Ein 56-Jähriger ist im Krankenhaus seinen schweren Verletzungen erlegen. Bei den weiteren Opfern handelt es sich um drei Männer im Alter von 58, 43 und 55 Jahren.

Auch das Landeskriminalamt nahm an, dass eine psychische Erkrankung beim Täter vorliege. Der Einzeltäter, der am Vorabend der Tat aus Hessen nach München gekommen war, habe seine Opfer zufällig ausgesucht.

In einer Trauerfeier wurde im Mai 2016 der Opfer gedacht. Unter anderem der Regierungspräsident von Oberbayern, Christoph Hillenbrand und die Erste Bürgermeisterin von Grafing, Angelika Obermayr (Grüne), nahmen an einer ökumenischen Feier in der Pfarrkirche St. Ägidius teil. Auch zahlreiche Grafinger Bürger waren gekommen.

Mehr zu den Ermittlungen

Pressekonferenz im LKA zur Messerattacke von Grafing, Foto: Eric Deyerler
Pressekonferenz beim LKA

Das Bayerische Landeskriminalamt hatte gemeinsam mit der Staatsanwaltschaft München II die Ermittlungen aufgenommen. Zunächst wurde der Tatverdächtige in ein psychiatrisches Krankenhaus eingewiesen. "Nach der vorläufigen Bewertung eines medizinischen Sachverständigen leidet der Täter an einer psychischen Erkrankung und es liegen dringende Gründe für die Annahme vor, dass er im Zustand der Schuldunfähigkeit oder zumindest verminderten Schuldfähigkeit die Taten begangen hat.", hieß es bereits in einer Erklärung im vergangenen Jahr. Dies wurde durch den Gutachter im Prozess jetzt untermauert.

Die Durchsuchung der Wohnung des 27-Jährigen in Hessen hatte keinerlei Beweismittel ergeben, die auf einen religiös motivierten Hintergrund hindeuten, es wurden allerdings ein Mobiltelefon und mehrere Speichermedien sichergestellt.

Wie bei einer Pressekonferenz in München zwei Tage nach der Tat bekannt wurde, sei der Täter am Vorabend mit dem Zug aus Fulda nach München gekommen, wo er sich zunächst nach einem Hotel umgesehen habe. Weil er jedoch kein Zimmer bekommen habe, sei er anschließend mit der S-Bahn nach Grafing gefahren, wo er sich ab etwa halb zwei Uhr morgens aufgehalten habe. Gegen 4:45 Uhr habe er wahllos auf Passanten eingestochen. Hinweise auf Mittäter gebe es nicht, ebenso seien keine Verbindungen in die islamistische oder salafistische Szene bekannt. Bei seiner Festnahme habe der 27-jährige Gießener einen verwirrten Eindruck gemacht.

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