Die Bilanz des schweren Gewitters im Großraum München

Dunkle Wolken ziehen über dem Sendeturm des Bayerischen Rundfunks in Freimann vorbei. , Foto: picture alliance/Felix Hörhager/dpa
Foto: picture alliance/Felix Hörhager/dpa

Rund 900 Einsätze für die Rettungskräfte

(12.6.2019) Ein heftiges Gewitter mit Sturmböen, Starkregen und Hagel ist am Montagabend über München gezogen. Feuerwehr, Polizei und Rettungsdienst wurden zu Hunderten Einsätzen gerufen. Auch mehrere städtische Friedhöfe bleiben bis auf weiteres geschlossen.

Polizei und Feuerwehr im Dauereinsatz

Unwetter: Die Würm drohte über die Ufer zu laufen, Foto: Branddirektion München
Foto: Branddirektion München

Die Münchner Polizei berichtet von fast 200 Unwettereinsätzen im Laufe des Abends. Überwiegend rückten die Mitarbeiter wegen Einsätzen wie Sturmschäden, Gefahrenstellen, Ampelausfällen und Überflutungen aus.

Auch die Feuerwehr wurde zu unzähligen Unwetterschäden gerufen. Über 700 Unwettereinsätze wurden von der Integrierten Leitstelle aufgenommen. Die Einsatzkräfte arbeiteten die Einsätze bis tief in die Nacht ab. 380 Frauen und Männer der Freiwilligen Feuerwehr München waren ebenso im Einsatz wie 250 Beamtinnen und Beamte der Berufsfeuerwehr. Seit Dienstagmorgen liefen die Nacharbeiten.

Starkregen, Sturm und Hagelkörner mit bis zu vier Zentimeter Durchmesser haben in der Stadt erhebliche Schäden angerichtet. In den westlichen Stadtteilen waren teilweise die Fahrbahnen nicht mehr zu erkennen: Sie waren vollständig von Laub bedeckt bzw. standen völlig unter Wasser.

Um etwa 22 Uhr drohte ein Damm an der Würm zu brechen. Durch querliegende Bäume an einem Wehr hatte sich die Würm zurückgestaut und drohte nördlich der Verdistraße über die Ufer zu laufen (siehe Bild). Das konnte die Feuerwehr durch den Einsatz von Sandsäcken gerade noch verhindern.

Die östlichen Stadtteile blieben vom Hagel verschont, hier musste die Feuerwehr jedoch ein durch den Wind gelockertes, acht Stockwerke hohes Gerüst sichern. Im Hasenbergl lief der Regen in eine Tiefgarage und ließ das Wasser auf rund 4000 qm Fläche etwa 30 cm hoch ansteigen. Hier rückte die Feuerwehr mit speziellen Pumpen an.

Auch die Einsatzfahrzeuge blieben nicht verschont. In Pasing beschädigte der Hagel ein Löschfahrzeug, ein Notarzteinsatzfahrzeug und die Windschutzscheiben von zwei Rettungswagen.

Am Dienstagabend hatte es erneut eine Unwetterwarnung des Deutschen Wetterdiensts gegeben, die allerdings in der Nacht auf Mittwoch wieder aufgehoben wurde.

Zahlreiche Schäden an Autos und Häusern

Foto: Brücke an der Würm (Branddirektion München)

An mehreren Orten in München und im Großraum München seien wegen Hagels viele Autoscheiben und Dachfenster zu Bruch gegangen, sagten Sprecher von Polizei und Feuerwehr. Häuser stünden wegen der Schäden unter Wasser. Zudem seien zahlreiche Bäume entwurzelt worden, Äste wurden auf Autos oder Straßen geweht.

Im Landkreis gab es mehr als 100 Einsätze. Besonders viel los gewesen sei in Garching, Oberschleißheim und Unterschleißheim. Dort wurde das Volksfest nach Angaben eines Sprechers der Leitstelle geräumt - die Besucher kamen vorübergehend in einer Schule unter. Fast überall waren die Gewitter nach wenigen Minuten vorbei.

Mindestens drei Menschen seien nach ersten Erkenntnissen im Bereich Germering und Puchheim leicht durch Hagelschlag verletzt worden, sagte ein Sprecher des Polizeipräsidiums Oberbayern Nord. Auf dem Ammersee und dem Starnberger See kenterten mehrere Boote. Der Sprecher berichtete von örtlichem Hagel in Golfballgröße - vereinzelt hätten Anrufer von Tennisballgröße, also von mehr als sechseinhalb Zentimeter Durchmesser, gesprochen.

Nördlich von München erfasste ein Regenradar des Deutschen Wetterdienstes in einer Wolke einen Eisanteil von bis zu acht Zentimetern, wie ein Sprecher am späten Abend erklärte. Was bedeuten könne, dass entweder einzelne Hagelkugeln einen Durchmesser von bis zu acht Zentimetern hatten oder beispielsweise acht Hagelkörner einen Durchmesser von einen Zentimeter hatten. Wie groß die Kugeln tatsächlich waren, die auf dem Boden aufschlugen, sei mit Radargeräten nicht nachvollziehbar. Man sei auf Augenzeugen angewiesen.

Behinderungen im Schienenverkehr

Diese berichteten beispielsweise, dass auf der Autobahn 96 nahe des Ammersees tennisballgroße Hagelkörner niedergegangen seien und reihenweise Autos beschädigt hätten. Bei einigen Fahrzeugen wurden Front- und Heckscheiben eingeschlagen, bei anderen Autos Seitenspiegel und Schiebedächer in Mitleidenschaft gezogen. "Eisbrocken schlugen wie Gewehrsalven auf uns ein", sagte eine Autofahrerin aus München. "Wir fuhren von der Autobahn ab, in den Orten lagen vereinzelt Dachziegel auf der Straße. Die Straßen waren grün vor lauter abgerissenen Ästen und Blättern."

Die schweren Gewitter wirkten sich auch auf den Bahnverkehr im Großraum München aus. Mehrere Bäume fielen auf die Gleise. S-Bahnen fuhren am frühen Abend zeitweise im gesamten Netz nicht, am Dienstag wurde der Betrieb wieder aufgenommen, vereinzelt sind nach wie vor Einschränkungen möglich.

Hier geht es zur aktuellen Betriebslage

(muenchen.de/dpa)

Mehrere Friedhöfe aufgrund der Unwetterfolgen geschlossen

Nach dem Unwetter vom Pfingstmontag sind die städtischen Friedhöfe Neuhausen, Feldmoching, Obermenzing, Untermenzing, Allach, Aubing sowie der Westfriedhof aus Sicherheitsgründen bis auf weiteres für alle Besucherinnen und Besucher geschlossen. Die Schließung erfolgt als reine Vorsichtsmaßnahme gegen unvorhergesehenen Astbruch und die Umsturzgefahr von Bäumen. Alle Beisetzungen finden wie geplant statt.

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